Schauspielerin und Buchautorin Christine Kaufmann durfte unseren Leserinnen und Lesern zum zum Abschluss Ihres Interviews in der mindart #1 (S. 23) eine eigene Frage stellen. Diese lautete:

Warum haben Sie Angst davor, mutig zu sein? Viele Frauen haben Angst davor, frei und glücklich zu sein. Was unternehmen Sie dagegen und was hält Sie zurück?

Das zahlreiche Feedback hat uns und Frau Kaufmann sehr gefreut! Haben Sie vielen Dank! Die schönsten und berührendsten Antworten möchten wir hier mit Ihnen teilen:

Gerne würde ich ihre kluge Frage beantworten! Auch ich bin der Meinung, dass die Beantwortung bzw. Umsetzung einen riesigen Schritt in Richtung einer lebens- und liebenswerteren Welt bedeuten würde… Wohlan denn Herz erkenne, entscheide, gesunde. Mut braucht Frau, wenn sie die Angst überwinden möchte. Frei und glücklich zu sein, hängt damit zusammen, dass man selbstbewusst ist in dem, was man tut. Um innere Freiheit zu erlangen, müssen Verlustängste überwunden werden (z. B. Verlust von Partner, Freunden, Ansehen, Geld kurz Sicherheiten) . Das beste Mittel dafür: sich klarmachen, was schlimmstenfalls passieren kann, und dann eine Entscheidung treffen (darum geht es in allen Bereichen unseres Lebens immer wieder, aber die meisten Menschen – nicht nur Frauen – haben in der heutigen Zeit Probleme damit), ob man bereit ist, das Risiko zu tragen. Hat man noch eine Ersatzlösung für den Fall des Scheiterns parat, kann man mögliche Schäden gut begrenzen. Das Glück stellt sich dann von selbst ein. Im Vertrauen bleiben, meine Sichtweise auf das Positive lenken, Austausch unter Gleichgesinnten (u.v.m.) wirken stets unterstützend! Alles erdenklich Liebe und Gute für Sie und die Ihren!
(Judith Christine M.)

Ich habe keine Angst davor, mutig zu sein! Ich bin es! Und frei und glücklich ebenso, habe lange genug daran gearbeitet. 🙂
(Anne M.)

Ich versuche mich in positiven Affirmationen und versuche mir, mal mehr und mal weniger erfolgreich, jeden Tag 15 Minuten nur für Meditation zu nehmen. An den Tagen, an denen ich es schaffe, diese Zeit nur für mich zu haben, fühle ich mich energetisch aufgeladen, selbstbewußt und mutig. Der Alltag, in dem ich hin und wieder ein „Versagen“ der Aufgaben, die an mich gestellt werden, feststellen muss, hält mich dann zurück, mutiger zu sein. Ich schaffe nicht immer alle an mich gestellten Aufgaben, was Frust und ein sich Zurückziehen bei mir erzeugt. Herzliche Grüße!
(Karin N.)

Die Angst davor, mutig zu sein, verschwindet, indem man genau das tut, wovor man Angst hat. Tiefer als in Gottes Hände kann man nicht fallen. Meine Angst betrifft die Abwertung durch Menschen im nahen Umfeld, wenn ich mutig bin und nun meinen Weg gehe! Wobei ich glücklich bin, sagen zu können, dass diese Angst schon ganz klein geworden ist. Ich hole Hilfe von einem Mentor, besuche Seminare und rede mit guten Freunden, die an mich glauben! Herzliche Grüße!
(Nicole B.)

Ich finde es interessant, dass Sie im Zusammenhang mit Mut die Angst nennen. Ich denke nämlich tatsächlich, dass es nur notwendig ist, mutig zu sein, wenn man Angst vor etwas hat. Hier ein Beispiel: Vor fünf Jahren hatte ich geistesblitzähnlich spontan den Gedanken, ein Auslandsjahr in Australien machen zu wollen. Am selben Tag setzte ich mich hin und fing an, dies zu organisieren. Das Jahr und die Erfahrung waren wunderbar, und natürlich gab es auch Erfahrungen, die mich verletzten. Ich bin also auf die andere Seite der Welt gereist und habe alles Bekannte verlassen. Ich war aber nicht mutig! Denn ich spürte in mir den tiefen Wunsch, diese Erfahrung zu machen. Ich hatte absolutes Vertrauen und keine Unsicherheit. Diese innere Sicherheit lies keinen Platz für Angst. Somit fiel mir das Erlebnis leicht. Nun aber wohne ich in einer wunderbaren Wohngemeinschaft in einer großen Stadt Deutschlands und studiere. Ich habe mittlerweile einen mehr oder weniger geregelten Alltag und weiß, was in nächster Zeit auf mich zukommt. Dennoch verspüre ich jetzt häufig Ängste. Ich habe mich entschieden, mich meinem Inneren komplett zu öffnen, um mit mir selbst völlig im Reinen zu sein. Ich denke, nur so kann ich selbst noch glücklicher werden und auch mehr Freude und Wahrheit in die Welt bringen. Dieser Prozess ist nicht immer einfach. Es fällt schwer, wirklich hinzuschauen und hinzufühlen. Es sind banale Kleinigkeiten im Alltag, wenn ich mir bewusst werde, dass ich mich innerlich getrieben fühle, dass ich ununterbrochen Aktivitäten unternehemn möchte und ständig unter Menschen sein möchte. Doch dann frage ich mich: Wo kommt dieser Drang her? Warum bin ich mit mir selbst nicht im Frieden? Mit meinem Intellekt weiß ich, dass ich auch einfach mal „nichts“ tun darf und dass es sogar nötig ist, mal nur zu faulenzen. Ich spüre aber innerlich eine Getriebenheit und ich weiß, das ist ein Muster, dass ich in mir trage. Hier fällt es mir wirklich schwer, mich zu öffnen. Denn ich spüre Ängste, in mir hochkommen, wenn ich mich diesem Thema widmen. Jetzt benötige ich Mut! Was ich dann unternehme, wenn ich solche Ängste, solche Muster fühle? Ich strebe natürlich an, diese Ängste völlig loszuwerden. Doch dies ist kompliziert. Je mehr man diese Ängste loswerden möchte, desto penetranter werden sie. In Wahrheit wollen sie doch nur gesehen werden. Sie sind wie kleine Kinder, die in einem hoch kommen. Deshalb versuche ich stets – was mir nicht immer ganz gelingt – ruhig zu bleiben, wenn diese Ängste aufkommen. Ich atme tief und versuche dann, sie zu akzeptieren. Ich frage mich, ob es denn nicht in Ordnung wäre, diese Ängste einfach zu behalten – ein Leben lang. Ich vertraue darauf, dass alles seinen Sinn hat, seine Berechtigung. Auch diese Ängste haben einen Sinn, selbst wenn ich nicht erkennen kann, welchen. Und diese Akzeptanz der Ängste und der unerwünschten innerlichen Muster, diese völlige Akzeptanz erfordert großen Mut.
(Veronika H.)

Mutig zu leben, bedeutet für mich, ganz bei mir sein zu können, aber auch ein Stern für andere zu werden. Mutig den Alltag zu gestalten heißt manchmal für mich: Maßregelungen durch andere lustvoll zu ignorieren; unangepasst gegen todbringenden Konformismus „anzuleben“; tänzelnd trotzig dem „Ja“-Sagertum die Stirn zu bieten. Mut hat 100.000 Gesichter und kann jeden Tag etwas anderes bedeuten: in einer Runde die eigene Meinung zu bekennen, auch wenn alle anderen die Klappe halten; meine Ängste zuzulassen und ihnen geduldig zuzuhören; ein rotes Kostüm zu tragen, obwohl alle anderen einen grauen Hosenanzug anhaben; zuzugeben, dass man keinen Fernseher, aber 3.849 Bücher hat; Wattwanderungen zu machen, auch wenn alle Freunde plötzlich nur noch auf Kreuzfahrt sind; seit 15 Jahren den gleichen Mann zu lieben, auch wenn Kurzzeitbeziehungen noch so hip sind. Sich deutlich bewusst zu machen, dass das eigene, authentische, alltägliche Verhalten sehr oft nicht einfach nur „normal“, sondern sehr mutig ist, kann die Eigenwahrnehmung und damit das Selbstwertgefühl enorm stärken. Aber nach meiner Erfahrung beinhaltet ein solches „aus der grauen Reihe tanzen“ im besten Wortsinne auch, Verantwortung zu übernehmen und die damit verbundenen zwischenmenschlichen Verbindlichkeiten eingehen zu wollen. Nun wünsche ich Ihnen viel Erfolg und eine gute Zeit!
(Anja S.)

Mut ist, zu sich selbst zu stehen. Mit seinen Stärken und Schwächen, mit seinen Interessen und alles, was diesen Menschen ausmacht, sich nicht beeinflussen zu lassen von Idealen, sei es in der Gesellschaft, in den Medien oder im engeren Kreise. Nicht die Angst zu haben, mit seiner Person Fehler zu machen, nicht gut genug zu sein. Mut ist zu sein, wie man wirklich ist. Ich bin  glücklich, weil ich es will, und das macht mich frei.
(Feyza Ö.)

Ich persönlich habe keine Angst davor, mutig zu sein. Ich war und bin mutig, doch was heißt das? Für mich definiere ich es so: Mut bedeutet, die Konsequenzen für meine Entscheidungen, mein Handeln auszuhalten. Die Auswirkungen, ob positiv oder negativ, zu akzeptieren, zu tragen. Frauen haben Angst, frei und glücklich zu sein? Aus meiner Wahrnehmung heraus nicht nur die Frauen, auch die Männer. Durch die klassische Rolle der Frau ist es möglicherweise plakativer. Frei und glücklich zu sein ist für mich gleichbedeutend mit dem Übernehmen der Verantwortung für das eigenen Leben. Frei sein heißt, bei sich zu sein, seiner eigenen Spur zu folgen und das Leben so zu nehmen, wie es gerade ist. Ich bin der Meinung, ich kann in jeder Lebenslage frei und glücklich sein, denn es sind ja eh meine eigenen Emotionen! Mich hält nichts zurück, mutig und frei zu sein. Ich bin eine alleinerziehende Mutter und hätte tausend Gründe, es nicht zu sein… Frei… Doch ich übernehme die Verantwortung für mein Leben, ich lebe es so, wie es gerade ist, mit all seinen Schwächen. Ich bin mir im Klaren, dass ich es so gewählt habe, bewusst oder unbewusst. Was ich aus jetziger Sicht nicht so gut gewählt habe, verzeihe ich mir. Ich liebe mich und mein Leben so, wie es ist. Ich sage ja zu den Konsequenzen! Wenn ich auf einen hohen Berg klettere, kann ich damit rechnen, dass es möglicherweise kalt wird. Das ist die Konsequenz aus meiner Entscheidung, auf den Berg zu steigen und dass mir eventuell kalt wird: Halte ich das aus? Der Mutige ist sich dessen bewusst, komme was wolle, so ist es, er sagt ja… Wahrscheinlich haben viele Frauen und Männer genau davor Angst, dass sie ihre Entscheidung nicht aushalten, dass sie „falsch“ sein könnte, dass sie nicht „gut“ seine könnte. Doch ich finde, wir entscheiden immer „richtig“ für diesen Moment, denn wer entscheidet bewusst nicht richtig? Es entspricht immer unseren momentanen Möglichkeiten, vielleicht ändern die sich in einer Woche, in einem Jahr, ok. Doch die Liebe zu mir selbst verzeiht mir meine nicht so guten Entscheidungen, und ich schenke mir selbst das Vertrauen, immer „richtig“ zu sein. Deshalb gehört für mich Mut und Vertrauen zusammen. Also hält die Menschen das (fehlende) Vertrauen zu sich selbst ab, glücklich und frei zu sein.
(Burgi R.)

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