Text: Astrid Winterfeld – Foto: Leona Goldstein

Alles begann in Afrika. Bei einem Urlaub in der marokkanischen Wüste hatte ich eine Künstlerin kennengelernt, die dort mit Berberkindern malte. Sie erzählte mir von der Arbeit des großen Pädagogen und Erfinders der Malorte Arno Stern, durch den sie zu ihrer Arbeit inspiriert worden war. Ich war von diesem Konzept begeistert und wollte ihn gerne persönlich kennenlernen. Als dann in der Redaktion kurzfristig die Idee entstand, zu Arno Sterns 90. Geburtstag ein Portrait über ihn zu schreiben, war ich Feuer und Flamme. Das war der Job, auf den ich gewartet hatte.

Drei Tage später: Kurz vor dem Abflug nach Paris treffe ich mich mit Leona, der Fotografin, in einer kleinen italienischen Pizzeria in Berlin. Wir kennen uns nicht und sind beide gespannt aufeinander. Schnell wird klar, da ticken zwei ähnlich. Die Reise kann beginnen.

Am Tag des Interviews in Paris bin viel zu spät dran. Es ist Nationalfeiertag und halb Paris ist abgesperrt. Das bestellte Taxi hat mich deshalb versetzt, ich nehme die Metro, muss umsteigen und laufe in heller Aufregung, mit Leona und mit Arno Stern telefonierend, durch unendlich lange unterirdische Metro-Gänge.

Leona ist es irgendwie gelungen, ein Taxi zu ergattern, so dass sie wenigstens pünktlich ist. Alles erweist sich jedoch anders als erwartet. Eine Gruppe von ca. zwanzig Frauen und Männern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist da, um an einem Seminar teilzunehmen, welches Arno Stern hier regelmäßig durchführt. In seinem Institut hält er neben dem eigentlichen Malspiel Vorträge und bildet Menschen aus, um seine Idee in alle Welt zu tragen. So auch heute.

Als ich mein kleines Aufnahmegerät aufstelle und wir uns während des Vortrages Notizen machen, werden wir von meiner Nachbarin kritisch beäugt und sodann öffentlich befragt, weshalb wir denn eigentlich hier seien.

Arno Stern, ganz Gentleman der alten Schule, kann jedoch ihre Spionagebefürchtungen entkräften und führt dann seinen Vortag fort.

Nach einer Mittagspause, in der wir anscheinend im schlechtesten Bistro von Paris gelandet sind, lustlos in unseren überteuerten Gerichten stochern, aber trotzdem das Pariser Flair im Hochsommer genießen, beginnt dann endlich der eigentliche Teil unsere Arbeit.

Es wird ein langes, intensives Arbeitsgespräch. Arno Stern nimmt sich viel Zeit für uns und erzählt ausführlich. Ich muss mich konzentrieren, um durch das Dauergeklicke des Auslösers der Kamera nicht abgelenkt zu werden. Zu dritt sind wir jedoch ein gutes Team, und Leona schießt tolle Bilder. Zum Abschied schenke ich Arno Stern das von uns mitgebrachte Brandenburger Tor aus Schokolade. Er sagt: „Da wird sich meine Frau aber freuen“ und verabschiedet uns herzlich.

Als wir nach vier Stunden froh aber ermattet in der Pariser Abendsonne wieder in einem Bistro sitzen, diesmal in einem besseren, beschließen wir beide bei einem Glas Rotwein, dass dies nicht unser letztes gemeinsames Projekt gewesen sein soll.

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